Erste Hilfe
|
![]() |
Welche Igel benötigen Hilfe?
|
Erste Hilfe:
|
Unterbringung:Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeitlang miteinander.Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut ausbruchsicher sein. Die Höhe der Seitenwände muß 45 bis 50 cm betragen. Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten Span- oder Hartfaserplatten an, und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), das man täglich (!) wechselt. Als Schlafhäuschen wählt man einen oben zuklappbaren Karton von ca. 30 cm Kantenlänge und versieht ihn mit einem seitlichen Schlupfloch von ca. 10 x 10 cm. Das Schlafhaus wird mit reichlich zerrissenem und zerknüllten Zeitungspapier (kein Heu/Stroh, keine Lappen, keine Holzwolle) gefüllt, das man bei Verschmutzung austauscht.
|
![]() |
Ernährung:Igel sind Insektenfresser, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken, Regenwürmern etc. ernähren, weil diese Überträger von Innenparasiten sind. Milch bewirkt wegen ihres Milchzuckers Durchfall, in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die für den Igel tödlich enden können. Futter und Wasser reicht man in kippsicheren, flachen Glas- oder Porzellannäpfen. Gefüttert wird in der Regel nur einmal täg-lich, und zwar abends. Läuft jedoch ein offensichtlich hungriger Igel auch tagsüber unruhig im Gehege her-um, sollte man ihm selbstverständlich Nahrung anbieten. Das gleiche gilt für geschwächte Tiere, die die notwendige Futtermenge oft nur in mehreren kleinen Portionen einnehmen. Futterreste müssen weggeworfen und die Näpfe täglich (bzw. nach jeder Mahlzeit) heiß gespült werden.Die erforderliche Nahrungsmenge ist von Igel zu Igel verschieden. Sie hängt vom Körpergewicht und vom Gesundheitszustand ab. Ein mittelgroßer Igel frißt etwa eine Menge, die einen 150-g-Joghurtbecher füllen würde. Maßstab für die richtige Futtermenge bildet die Gewichtszunahme. Anfangs wird der Igel täglich, später nur noch wöchentlich gewogen. Man legt ihn dazu auf dem Rücken in die Waagschale und pustet ihn ein bißchen an, damit er ruhig hält. Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann es täglich 10 bis 20 g zunehmen, später sollten es 7 bis 10 g pro Tag sein. Pro Portion gibt man entweder einen Eßlöffel Weizenkleie oder zwei Eßlöffel Futterhaferflocken bzw. Igel-trockenfutter zum Fleisch, Ei oder Dosenfutter. Evtl. feuchtet man die Mischung mit etwas Wasser an. «Grundnahrungsmittel» für Igelfutter:
|
Winterschlaf:Grundsätzlich ist anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene Igeljunge noch im Herbst auszuwildern.Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (mindestens 500g, besser 600 bis 650g) jedoch erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muß man bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entläßt. Doch sollte man einem gesunden Tier auch bei häuslicher Überwinterung Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen, oder man baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, weil zu warm. Die Umgebungstemperatur sollte möglichst der Außentemperatur entsprechen. Bei Raumtemperaturen von mehr als 6 Grad fällt der Igel lediglich in einen kräftezehrenden «Dämmerschlaf», in dem er weder fressen noch winterschlafen kann. Daher ist auch direkte Sonneneinstrahlung (Südseite) zu vermeiden. Das bisher benützte Schlafhäuschen setzt man in einen etwas größeren Karton, besser noch in ein Holz- oder Spanplattenhäuschen (etwa 40 cm Kantenlänge) und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit reichlich zusammengeknülltem Zeitungspapier. Selbstverständlich schneidet oder sägt man auch in das Überhaus ein deckungsgleiches Schlupfloch. Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert man ihn solange normal weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Bis dahin können einige Tage, aber auch Wochen vergehen. Auslauf und Häuschen reinigt man nach wie vor. Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist und nachts sein Häuschen verlassen hat oder ob es weiterschläft. Für alle Fälle und als «Notration»stellt man in das Gehege ein Schälchen mit Igel- oder Katzentrockenfutter, dazu frisches Wasser. Auch schlafende Igel muß man täglich kontrollieren! Eine Unterbrechung des Winterschlafs bei steigenden Temperaturen kommt hin und wieder vor. Dann füttert man die normale, eiweißreiche Nahrung. |
Auswilderung:Igel - auch solche, die in menschlicher Obhut Winterschlaf halten - wachen meist Ende März bis Mitte April auf und müssen nun wieder aufgefüttert werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erreicht oder übertrifft der Pflegling das Gewicht, das er vor dem Winterschlaf hatte (Aussetzgewicht von Jungigeln: ca. 700 - 800 g). Ideal ist es, wenn er die Zeit bis zum Aussetzen in einem Freigehege verbringen darf. Er kann dort seine Muskeln trainieren und findet außer dem Futter im Napf auch schon etwas natürliche Nahrung, was ihm die Eingliederung in die Natur erleichtert.Praxistip: Ein Freigehege für einen Igel sollte mindestens 4 qm groß sein, zwei Igel brauchen 8 qm usw. Als Zaunmaterial geeignet sind z.B. Wellpolyester, PVC-Platten, Holzbretter, halbrunde Palisadenhölzer, sehr feiner Maschendraht. Der Zaun muß mindestens 50 cm hoch sein und 10 - 15 cm in den Boden eingegraben werden. Einen Drahtzaun schließt man oben mit einem nach innen ragenden Brett ab, damit er nicht überklettert werden kann. Ein Baum oder Büsche im Gehege spenden dem Schlafhaus den nötigen Schatten. Das Futter wird in ein regendichtes Häuschen mit gut zu reinigendem Boden gestellt. Um das Futter vor Katzen zu schützen, empfiehlt sich der Bau eines Futterhauses. Auch im Freigehege ist Sauberkeit oberstes Gebot! Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünt, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden sind, und auch die Geranien in den Blumenkästen ins Freie kommen (ca. Ende April bis spätestens Mitte Mai). Soll der Igel im eigenen Garten ausgesetzt werden, baut man einfach das Gehege ab, beläßt aber das Schlafhaus und beschickt die Futterstelle weiterhin, bis der Igel beides ignoriert. Kennt man den Fundort des Igels, so ist er unbedingt dort wieder hinzubringen. Igel haben ein gutes Ortsge-dächnis! Muß man ein Aussetzgelände suchen, ist zu beachten, daß der neue Lebensraum Nahrung und Deckung bietet. Nicht infrage kommen steile Hanglangen, feuchte Böden, Flußufer, Überschwemmungsgebiete, Nadel- und Laubhochwälder, ausgeräumte landwirtschaftliche Flächen, die Nähe von nachts stark befahrenen Straßen, Baustellen, Gebiete mit regelmäßigem Insektizideinsatz. Die beste Zeit zum Aussetzen ist die Abenddämmerung. Praxistip: Vor dem Aussetzen müssen meist die Krallen des Igels gekürzt werden. Betrachtet man sie von der Fußsohle aus, sieht man die hohlen Teile der Krallen, die abgeschnitten werden können. Kontaktieren Sie evtl. Tierarzt oder Igelstation! Zahlreiche Beobachtungen haben ergeben, daß sich fachgerecht aufgezogene und gesund gepflegte Igel gut in der Natur zurechtfinden.
|
|
|
|
© Igelschutz-Interessengemeinschaft e.V. 2002
Webdesign: Online-Redaktion |