Auswilderung

Igel – auch solche, die in menschlicher Obhut Winterschlaf halten – wachen meist Ende März bis Mitte April auf und müssen nun wieder aufgefüttert werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erreicht oder übertrifft der Pflegling das Gewicht, das er vor dem Winterschlaf hatte (Aussetzgewicht von Jungigeln: ca. 700 – 800 g). Ideal ist es, wenn er die Zeit bis zum Aussetzen in einem Freigehege verbringen darf. Er kann dort seine Muskeln trainieren und findet außer dem Futter im Napf auch schon etwas natürliche Nahrung, was ihm die Eingliederung in die Natur erleichtert.

Praxistip: Ein Freigehege für einen Igel sollte mindestens 4 qm groß sein, zwei Igel brauchen 8 qm usw. Als Zaunmaterial geeignet sind z.B. Wellpolyester, PVC-Platten, Holzbretter, halbrunde Palisadenhölzer, sehr feiner Maschendraht. Der Zaun muß mindestens 50 cm hoch sein und 10 – 15 cm in den Boden eingegraben werden. Einen Drahtzaun schließt man oben mit einem nach innen ragenden Brett ab, damit er nicht überklettert werden kann. Ein Baum oder Büsche im Gehege spenden dem Schlafhaus den nötigen Schatten.

Das Futter wird in ein regendichtes Häuschen mit gut zu reinigendem Boden gestellt. Um das Futter vor Katzen zu schützen, empfiehlt sich der Bau eines Futterhauses. Auch im Freigehege ist Sauberkeit oberstes Gebot!

Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünt, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden sind, und auch die Geranien in den Blumenkästen ins Freie kommen (ca. Ende April bis spätestens Mitte Mai).

Soll der Igel im eigenen Garten ausgesetzt werden, baut man einfach das Gehege ab, beläßt aber das Schlafhaus und beschickt die Futterstelle weiterhin, bis der Igel beides ignoriert.

Kennt man den Fundort des Igels, so ist er unbedingt dort wieder hinzubringen. Igel haben ein gutes Ortsge-dächnis! Muß man ein Aussetzgelände suchen, ist zu beachten, daß der neue Lebensraum Nahrung und Deckung bietet. Nicht infrage kommen steile Hanglangen, feuchte Böden, Flußufer, Überschwemmungsgebiete, Nadel- und Laubhochwälder, ausgeräumte landwirtschaftliche Flächen, die Nähe von nachts stark befahrenen Straßen, Baustellen, Gebiete mit regelmäßigem Insektizideinsatz.

Die beste Zeit zum Aussetzen ist die Abenddämmerung.

Praxistipp: Vor dem Aussetzen müssen meist die Krallen des Igels gekürzt werden. Betrachtet man sie von der Fußsohle aus, sieht man die hohlen Teile der Krallen, die abgeschnitten werden können. Kontaktieren Sie evtl. Tierarzt oder Igelstation!

Zahlreiche Beobachtungen haben ergeben, daß sich fachgerecht aufgezogene und gesund gepflegte Igel gut in der Natur zurechtfinden.

 

 

Die Igelschutz-Interessengemeinschaft sucht Auswilderungsplätze für Igelpfleglinge!

Für die Auswilderung Ende April/Anfang Mai, wenn die Nachttemperaturen nicht mehr unter 10 Grad gehen, die Vegetation schon fortgeschritten ist und genügend Bodeninsekten den Igeln Nestbau und Nahrungssuche ermöglichen, suchen wir in der Nähe unserer Stützpunkte geeignetes Gelände. Igelfreundliche Menschen können uns helfen, für einige Pfleglinge, insbesondere für die Jungigel, die noch nicht selbstständig in der Freiheit lebten, also nicht am Fundort ausgewildert werden müssen, einen neuen Lebensraum zu suchen.

Für Igel geeignete Lebensräume sind:

  • in ruhiger Umgebung, möglichst entfernt von befahrenen Straßen,
  • in ländliche Gebieten, möglichst naturbelassen und kleinräumig strukturiert
  • auf „verwildertem“ Gelände, auf dem keine Bebauung geplant ist,
  • in der Nähe von Bauerngärten oder Höfen mit ökologischer Landwirtschaft
  • mit Hecken, Wiesen und Büschen, Reisighaufen und Holzstapeln für Nahrungssuche und Unterschlupf und kleinen Bachläufen oder flachauslaufenden Teichen, aus denen Igel ungefährdet trinken können.

Nicht geeignet als Lebensraum sind:

  • Hochwald, Wiesen ohne Gebüsch und Hecken
  • landwirtschaftliche Monokulturen
  • für Tiere nicht frei zugängliche Friedhöfe, Kleingartenanlagen, Campingplätze, belebte Ausflugsgebiete etc.,
  • Gelände in direkter Nähe von stark befahrenen Straßen,
  • Gärten und Gebiete, in denen chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel verwendet, in denen Fallen aufgestellt werden oder die rundum geschlossen sind.

In einem igelfreundlichen Garten oder geeigneten Lebensraum wird der Igel in der Dämmerung in seinem Schlafkarton unter einem Busch, gut mit Laub und Reisig getarnt, ausgewildert. Man stellt Wasser- und Futterschälchen daneben, die noch einige Wochen täglich in den Abendstunden neu befüllt werden. Stellt man fest, dass der Igel nicht wiederkommt, räumt man das Häuschen weg und stellt das Füttern ein.
Wenn Sie unseren Schützlingen einen geeigneten Lebensraum anbieten können und bereit sind die Igel noch einige Wochen zuverlässig abends zuzufüttern, dann melden Sie sich bitte ab März bei einem unserer Stützpunkte oder unserer Geschäftsstelle. Wir schauen uns den Platz gerne an und freuen uns über Ihre Hilfe, denn – Igel brauchen Freunde!